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Züntersbach

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Züntersbach
Gemeinde Sinntal
Koordinaten: 50° 18′ 46″ N, 9° 43′ 56″ O
Höhe: 358 m ü. NHN
Fläche: 6,14 km²[1]
Einwohner: 670 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 109 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 36391
Vorwahl: 09741
Karte
Züntersbach von oben

Züntersbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Sinntal im hessischen Main-Kinzig-Kreis.

Geographische Lage

Züntersbach liegt auf einer Höhe von etwa 360 m über NN an der Grenze von Spessart und Rhön, 15 km südöstlich von Schlüchtern. Im Süden grenzt die hessische Gemeinde an die Landesgrenze zu Bayern. Den Ort durchfließt der Schluppach, der in die Sinn mündet.

Geschichte

Mittelalter

Züntersbach, ursprünglich Königsgut, liegt in einem Gebiet, das Graf Hessi erwarb, und wird erstmals als Ziuncilesbah in pago Salagewe (Züntersbach im Saalgau) um 900 erwähnt, als es dem Kloster Fulda geschenkt wurde. Dieses gab das Dorf an seine Filiale, das Kloster Schlüchtern, weiter, dem es 1167 gehörte.

Teilung: Die Fuldaer Hälfte

1306 verkaufte Ulrich von Steckelberg die Hälfte des Dorfes seinem Bruder, dem Propst des Klosters Petersberg bei Fulda. Das Dorf wurde dabei real geteilt. Seitdem besaß dieses Kloster die Hälfte des Dorfes links des Schluppachs.

Teilung: Die Hanauer Hälfte

Die Hälfte des Dorfes rechts des Schluppachs gehörte zum Gericht Altengronau, das 1333 als Reichslehen aus einer Erbschaft vom Haus Rieneck an die Herrschaft Hanau kam. Aus dem Gericht entstand im 15. Jahrhundert das Amt Schwarzenfels der Grafschaft Hanau, ab 1459: Grafschaft Hanau-Münzenberg.

Neuzeit

Die Hanauer Hälfte

1643 wurde das Amt Schwarzenfels – und damit auch die Hanauer Hälfte von Züntersbach – als Pfand zusammen mit anderen Sicherheiten der Landgrafschaft Hessen-Kassel übergeben. Es sollte für die Rückzahlung Hanauer Schulden bürgen, die im Zusammenhang mit der Befreiung der Stadt Hanau von der Belagerung durch kaiserliche Truppen im Dreißigjährigen Krieg 1636 gegenüber Hessen-Kassel entstanden waren. Den Grafen von Hanau gelang es nicht mehr, dieses Pfand von Hessen-Kassel zu lösen. Das Amt wurde in der Folgezeit wie landgräfliches Eigentum verwaltet, auch nachdem Hessen-Kassel 1736, nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., die gesamte Grafschaft Hanau-Münzenberg erbte.

Vereinigung

Die Teilung des Dorfes überstand sogar die Gebietsarrondierungen in napoleonischer Zeit: Die Fuldaer Hälfte kam 1816 an das Königreich Bayern, die hessische Hälfte verblieb beim Kurfürstentum Hessen, das 1803 aus der Landgrafschaft entstanden war. Erst 1863 wurde bei einem Gebietsaustausch zwischen beiden Staaten die bayerische Hälfte an Kurhessen abgetreten.

Im Kurfürstentum gehörte Züntersbach nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, durch die Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, zum Kreis Schlüchtern (erst nach 1945 wurden die Kreise im neuen Land Hessen als Landkreise bezeichnet). Die Gemeinde Züntersbach behielt bei der Schaffung des Main-Kinzig-Kreises und der Gemeinde Sinntal im Rahmen der Gebietsreform in Hessen am 1. Juli 1974 zunächst ihre Selbstständigkeit, da die Hessische Landesregierung einer sachgerechten, grenzüberschreitenden Neugliederung des Grenzgebietes nicht vorgreifen wollte. Es war damals beabsichtigt, die Gemeinde Züntersbach in die bayerische Stadt Bad Brückenau einzugliedern.[2] Erst als diese Pläne zur Änderung der Staatsgrenze aufgegeben wurden, wurde die Gemeinde am 1. Januar 1977 in die Gemeinde Sinntal eingegliedert.[3]

Historische Namensformen

In erhaltenen Urkunden wurde Züntersbach unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[4]

  • Zuncilesbah (911)
  • Zonzelsbach (1167)
  • Scintilspach (1306)
  • Zontersbach (1374)
  • Suntirspach (1384)
  • Zinzilsbach (1392–1394)
  • Zünkelsbach (1460)
  • Zuntersbach (1549)

Bevölkerung

Einwohnerentwicklung

 Quelle: Historisches Ortslexikon[4]

• 1549: 18 Haushaltungen (hanauische Hälfte)
• 1587: 12 Schützen und 7 Spießer
• 1812: 41 Feuerstellen, 309 Seelen
Züntersbach: Einwohnerzahlen von 1812 bis 2017
Jahr  Einwohner
1812
  
309
1834
  
704
1840
  
719
1846
  
722
1852
  
694
1858
  
662
1864
  
648
1871
  
620
1875
  
500
1885
  
585
1895
  
566
1905
  
523
1910
  
556
1925
  
516
1939
  
551
1946
  
815
1950
  
769
1956
  
625
1961
  
586
1967
  
617
1970
  
647
1979
  
752
1990
  
797
1995
  
748
2000
  
740
2005
  
716
2010
  
692
2015
  
654
2017
  
659
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [4]; nach 1970: Gemeinde Sinntal[5]

Religionszugehörigkeit

 Quelle: Historisches Ortslexikon[4]

• 1885: 280 evangelische (= 47,86 %), 250 katholische (= 42,74 %), 55 jüdische (= 9,40 %) Einwohner
• 1961: 280 evangelische (= 47,78 %), 306 katholische (= 52,22 %) Einwohner

Religion

Die Kirche des Dorfes gehörte 1167 zum Kloster Schlüchtern und der Pfarrei Ramholz. Die politische Teilung des Ortes 1303 bedeutete auch, dass die Fuldaer Hälfte des Dorfes nach der Reformation römisch-katholisch blieb, während die Grafschaft Hanau-Münzenberg in der Mitte des 16. Jahrhunderts die Reformation annahm, was nach dem Grundsatz „cuius regio, eius religio“ bedeutete, dass die Hanauer Hälfte des Dorfes zunächst lutherisch, 1597 reformiert wurde. 1602 gehörte die Hanauer Hälfte zur Pfarrei Mottgers, danach zur Pfarrei Oberzell. In Züntersbach befinden sich heute eine evangelische und eine römisch-katholische Kirche.

In Züntersbach gab es seit Jahrhunderten auch eine lebendige Jüdische Gemeinde. Eine Synagoge, einen Jüdischen Geistlichen mit Wohnhaus, Ein Jüdisches Bad (heute ein kleiner Fischteich in privatem Besitz). Sowie einen Jüdischen Schlachtplatz an dem nach Jüdischem Ritus geschlachtet wurde.[6]

Wirtschaft

Am östlichen Ausgang des Ortes stand die Obere Mühle. Weiter gab es die Alte Mühle, die 500 Meter südöstlich von Züntersbach lag. Sie wurde 1940 stillgelegt. 1970 wurden die Mühlenanlagen durch ein Unwetter zerstört. Beide Mühlen wurden von aus dem Schluppach abgeleiteten Betriebsgräben gespeist.

Züntersbach ist stark von Landwirtschaft geprägt, aber auch ein staatlicher Luftkurort mit jährlich 10.000 Übernachtungen.

Öffentliche Einrichtungen

Züntersbach besitzt eine Zwergschule, die von 19 Schülern besucht wird. Alle vier Jahrgangsstufen werden in einer Klasse unterrichtet. Daneben existiert auch ein Kindergarten im Ort.[7]

Verkehr

Züntersbach ist über die Landesstraßen 3141 und 3180 mit den Nachbarorten Oberzell, Schwarzenfels und Bad Brückenau verbunden.

Literatur

  • Rudolf Gerngras: Chronik eines Dorfes. Hrsg.: Verkehrs- und Heimatverein Züntersbach 1969 e.V. 1994.
  • Willi Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis = Hanauer Geschichtsblätter 40. Hanau 2003, S. 432 f.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 14, 1926, S. 538.
  • Literatur über Züntersbach in der Hessischen Bibliographie

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Einwohner, Daten und Anfahrt. In: Internetauftritt. Gemeinde Sinntal, archiviert vom Original; abgerufen im Juni 2018. (Daten aus Web-Archiv).
  2. StGH des Landes Hessen, Beschluss vom 11. April 1973 · Az. P.St. 697
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 385.
  4. a b c d Züntersbach, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 25. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. Haushaltssatzung für den Haushaltsplan 2019. (PDF; 2,8 MB) Statistische Angaben. Gemeinde Sinntal, S. 41, archiviert vom Original; abgerufen im Januar 2019.
  6. Züntersbach, Jüdische Geschichte/ Synagoge auf http://www.alemannia-judaica.de. Abgerufen im Juni 2018.
  7. Züntersbach behält seine Schule - Main-Post
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