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Tempelbezirk von Meilbrück-Idenheim

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Der Tempelbezirk von Meilbrück-Idenheim ist ein römisches Heiligtum im Eifelkreis Bitburg-Prüm, auf der Gemeindegrenze IdenheimMeckel, in Rheinland-Pfalz (Deutschland).

Lage

Der Tempelbezirk liegt südwestlich von Meilbrück rund 15 km nördlich von Trier direkt an der Via Agrippa (römische Fernstraße von Trier über Bitburg nach Köln).

Ausgrabung

Das Areal ist bislang nicht archäologisch untersucht worden, obwohl im Jahre 2008 eine Grabung im Zuge des Ausbaus der B 51 zwischen Meilbrück und Helenenberg angekündigt und durchgeführt wurde.[1] Bekannt geworden ist die Fundstelle durch Johann Baptist Hetzrodt, der 1811 mitteilte, dass man auf der östlichen Seite der Via Agrippa „Grundmauern eines alten Gebäudes, zertrümmerte Statuen und Inschriften; und unter andern einen schönen Rumpf eines sitzenden Mannes“ gefunden habe.[2] Wenig später wurde berichtet, dass sich an dieser Stelle der Via Agrippa auf beiden Seiten der Straße „Ueberreste von Römischem Mauerwerk“ befunden haben,[3] was in der Forschung zu der Vermutung führte, dass auf der westlichen Seite der Fernstraße ebenfalls ein Tempel(bezirk) gewesen sein muss.[4] Letztere Annahme basiert auch auf einer Fortuna-Statue (s. u.), die auf der westlichen Seite gefunden wurde.

Tempelbezirk

Dass es sich um ein Heiligtum mit mehreren Tempeln gehandelt hat, wurde ebenfalls erstmals durch Hetzrodt bekannt, der die hier entdeckte Bauinschrift auf einer Kalksteintafel wiedergibt.[5] Demnach sind zwei aedes (Tempel) von Sautus, dem Sohn des Novialchus, cum suis ornamentis (zusammen mit der Tempel-Ausstattung) für Merkur gestiftet worden. Teil der Dedikation war zudem ein Tribunal,[6] auf dem wahrscheinlich Götterstatuen aufgestellt waren.[7] Bei dem von Hetzrodt erwähnten „sitzenden Mann“ (s. o.) handelt es sich um einen knapp 1 m hohen thronenden Iupiter aus Kalkstein, der (wie die Inschrift auch) Teil der Sammlung des Rheinischen Landesmuseums Trier ist.[8] Von der gegenüberliegenden Seite der Straße stammt ferner die 30 cm hohe Statue einer Fortuna, ebenfalls aus Kalkstein.[9]

Auch wenn bislang keine Ausgrabungen die Ausmaße des Heiligtums nachgewiesen haben, sprechen die Hinweise dafür, dass es sich um einen bedeutenden Tempelbezirk handelte,[10] der wenigstens vom 2.–4. Jahrhundert n. Chr. aufgesucht wurde,[11] sicherlich vor allem von auf der Straße durchreisenden Personen. Ob der Stifter der beiden Tempel, Sautus, zu letzteren gehörte oder in der näheren Umgebung seinen Wohnsitz hatte,[12] muss offen bleiben. Siedlungsspuren konnten im Umkreis mehrfach nachgewiesen werden.[13]

Literatur

  • Marcello Ghetta: Spätantikes Heidentum. Trier und das Trevererland (= Geschichte und Kultur des Trierer Landes. Band 10). Kliomedia, Trier 2008, ISBN 978-3-89-890119-2, S. 319 f.
  • Josef Steinhausen: Ortskunde Trier-Mettendorf (= Archaeologische Karte der Rheinprovinz. Teil I 1). Hanstein, Bonn 1932, S. 136 f. und 182 f.
  • Ernst Wackenroder (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Band 12/1). L. Schwann, Düsseldorf 1927, S. 178.
  • Sascha Weiler, Patrick Reinard: Inschriften aus Bitburg und der südlichen Eifel aus der Römerzeit (I.BiER) – Katalog und Auswertung. Geschichtlicher Arbeitskreis Bitburger Land, Bitburg 2018, ISBN 978-3-00-061532-0, S. 167–169.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Neue Straße, alte Tempel. In: Volksfreund vom 22. April 2008, abgerufen am 9. Januar 2021. Siehe die Ergebnisse bei Sabine Faust: Römerstraße und Langmauer bei Meilbrück, Gemeinde Meckel, Eifelkreis Bitburg-Prüm. In: Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier. Band 40, 2008, S. 14–19. Die Befunde konnten in dem von der Baustelle betroffenen Bereich nicht gefunden werden. Sabine Faust vermutet sie weiter nördlich "auf Höhe der Tankstelle und des Hotels".
  2. Johann B. Hetzrodt: Nachrichten über die alten Trierer. Gall, Trier 1817, S. 63 (Digitalisat).
  3. Georg Bärsch: Anmerkung und Zusätze des Herausgebers zum ersten Theile „Die Eifel unter den römischen Kaisern der fünf ersten christlichen Jahrhunderte“. In: Eiflia illustrata. Band I 1, Bachem, Köln 1824, S. 38 (Digitalisat); siehe auch Jacob Schneider: Antiquarische Entdeckungen im Regierungsbezirke von Trier. In: Bonner Jahrbücher. Band 3, 1843, S. 60–82, hier S. 68 (Digitalisat); Josef Steinhausen: Ortskunde Trier-Mettendorf (= Archaeologische Karte der Rheinprovinz. Teil I 1). Hanstein, Bonn 1932, S. 137 und 182 f.
  4. Siehe Ernst Wackenroder (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Band 12/1). L. Schwann, Düsseldorf 1927, S. 178; Josef Steinhausen: Ortskunde Trier-Mettendorf (= Archaeologische Karte der Rheinprovinz. Teil I 1). Hanstein, Bonn 1932, S. 137 und 182 f.; Marcello Ghetta: Spätantikes Heidentum. Trier und das Trevererland. Kliomedia, Trier 2008, ISBN 978-3-89-890119-2, S. 319 f.; Sascha Weiler, Patrick Reinard: Inschriften aus Bitburg und der südlichen Eifel aus der Römerzeit (I.BiER) – Katalog und Auswertung. Geschichtlicher Arbeitskreis Bitburger Land, Bitburg 2018, ISBN 978-3-00-061532-0, S. 168.
  5. CIL XIII, 4123; zuletzt zu der Inschrift aus Kalkstein Sascha Weiler, Patrick Reinard: Inschriften aus Bitburg und der südlichen Eifel aus der Römerzeit (I.BiER) – Katalog und Auswertung. Geschichtlicher Arbeitskreis Bitburger Land, Bitburg 2018, ISBN 978-3-00-061532-0, S. 165–169, Nr. 71.
  6. So die überzeugende Emendation des in der Inschrift genannten Wortes triburna durch Felix Hettner: Die römischen Steindenkmäler des Provinzialmuseums zu Trier mit Ausschluss der Neumagener Monumente. Fr. Lintz, Trier 1893, S. 45, Nr. 67 (Digitalisat), dem alle weiteren Bearbeiter des Denkmals folgen.
  7. Vgl. CIL XIII, 3487 aus Amiens, ebenfalls in der Gallia Belgica, eine inschriftliche Dedikation, in der die Stiftung von zwei Tribunalia für Apollo und Veriogodumnus dokumentiert wird.
  8. Wolfgang Binsfeld, Karin Goethert-Polaschek, Lothar Schwinden: Katalog der römischen Steindenkmäler des Rheinischen Landesmuseums Trier 1: Götter- und Weihedenkmäler (= Trierer Grabungen und Forschungen. Band XII 1 / Corpus Signorum Imperii Romani Deutschland. Band IV 3: Trier und Trierer Land). Von Zabern, Mainz 1988, ISBN 3-8053-0286-X, S. 64 f., Nr. 107 mit Abb. 107 auf Taf. 33.
  9. Wolfgang Binsfeld, Karin Goethert-Polaschek, Lothar Schwinden: Katalog der römischen Steindenkmäler des Rheinischen Landesmuseums Trier 1: Götter- und Weihedenkmäler (= Trierer Grabungen und Forschungen. Band XII 1 / Corpus Signorum Imperii Romani Deutschland. Band IV 3: Trier und Trierer Land). Von Zabern, Mainz 1988, ISBN 3-8053-0286-X, S. 45 f., Nr. 75 mit Abb. 75 auf Taf. 22.
  10. So Dirk Krausse: Eisenzeitlicher Kulturwandel und Romanisierung im Mosel-Eifel-Raum. Die keltisch-römische Siedlung von Wallendorf und ihr archäologisches Umfeld (= Römisch-Germanische Forschungen. Band 63). Von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-3507-5, S. 81 f.
  11. Die Dedikationen aus Stein datieren ins 2./3. Jahrhundert; ferner sind Keramik und Münzen des 3./4. Jahrhunderts gefunden worden; siehe Marcello Ghetta: Spätantikes Heidentum. Trier und das Trevererland. Kliomedia, Trier 2008, ISBN 978-3-89-890119-2, S. 319 f.
  12. Siehe Sascha Weiler, Patrick Reinard: Inschriften aus Bitburg und der südlichen Eifel aus der Römerzeit (I.BiER) – Katalog und Auswertung. Geschichtlicher Arbeitskreis Bitburger Land, Bitburg 2018, ISBN 978-3-00-061532-0, S. 169.
  13. Siehe Josef Steinhausen: Ortskunde Trier-Mettendorf (= Archaeologische Karte der Rheinprovinz. Teil I 1). Hanstein, Bonn 1932, S. 136–138 und 180–183; Dirk Krausse: Eisenzeitlicher Kulturwandel und Romanisierung im Mosel-Eifel-Raum. Die keltisch-römische Siedlung von Wallendorf und ihr archäologisches Umfeld (= Römisch-Germanische Forschungen. Band 63). Von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-3507-5, S. 81 f. und 94 f.

Koordinaten: 49° 54′ 16,11″ N, 6° 32′ 29,17″ O

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