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MDSI Deutschland

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Die MDSI Manufacturing Data Systems International (Deutschland) GmbH war ein Tochterunternehmen der Manufacturing Data Systems Inc. (MDSI), die 1969 in Ann Arbor, Michigan, USA gegründet worden war.

Das Unternehmen entwickelte und vertrieb Systeme für die rechnerunterstützte NC-Programmierung (Computer aided Manufacturing, CAM), mit der die für numerisch gesteuerte Werkzeugmaschinen erforderlichen Programme einfacher und sicherer zu erstellen waren. Der Erfolg basierte insbesondere auf der Entwicklung und Nutzung der Programmiersprache COMPACT II, die zunächst auf Timesharing-Computern eingesetzt wurde, wodurch hohe Investitionen der Anwender für die zu der Zeit extrem teuren Computer vermieden wurden.

Geschichte

MDSI Manufacturing Data Systems International (Deutschland) GmbH (hier im weiteren als "MDSI Deutschland") bezeichnet, wurde am 2.Oktober 1975 in Frankfurt a.M. in das Handelsregister (HRB 15029) eingetragen. Die ersten Geschäftsführer waren P. Kopecky und J.Selig[1][2]. Die Anwendung über das Timesharing-Verfahren erlaubte eine Demonstration der Software direkt bei den potentiellen Kunden mit Hilfe eines mobilen Modems (Akustik-Koppler 110 baud), und eines Teletype-Gerätes ASR33(Drucker mit Lochstreifenstanzer). Die Online-Demonstration der Erstellung des NC-Lochstreifens, der für die Steuerung der NC-Maschinen benötigt wurde, ist von einem Applikations-Ingenieur (AE) vorgenommen worden. Ein Online-Plotter zeichnete zur Kontrolle direkt die Teilegeometrie und die Verfahrwege der Werkzeuge auf. Zur Festinstallation der Übertragung in den Unternehmen wurde dann ein Modem D1200 der Bundespost installiert. Am Anfang war der Einwählknotenpunkt von Tymshare Inc. in Paris oder London. Erst Ende 1976 gab es einen Einwählknoten in Frankfurt a.M., später auch in den anderen größeren Städten. Das Timesharing-System erlaubte zugleich eine weltweite Datenübertragung innerhalb des Unternehmens, aber auch zu den Kunden. Diese Kommunikation enthielt auch ein weltweit verfügbares E-Mail System für die MDSI-Mitarbeiter, lange bevor das Internet etabliert wurde. Die Kosten für das Timesharing betrugen pro CPU/Sekunde DM 1,35 und für die Anschlusszeit an den Rechner DM 35.-/Stunde. Hinzu kamen die Telefonkosten zu dem Einwählknoten. Zu den ersten Firmen in der Deutschland, die Compact II zur NC-Programmierung einsetzten, gehörten: Loedige, Wurster&Dietz, Behrens, Trumpf, Netzsch, Harting, Stahl, Roemheld, Bosch/Da, Schubert&Salzer, Hermle. 1981 hatte die MDSI Deutschland 35 Mitarbeiter und 150 Kunden, der Umsatz betrug 9 Millionen DM. Die Anzahl der Links (Postprozessoren) lag 1981 bei etwa 3000 zur Programmierung der NC- und CNC- Maschinen mit den unterschiedlichsten Steuerungen.

Die gesamte Softwareerstellung erfolgte im Headquarter der MDSI Inc. in Ann Arbor (USA), die deutsche Niederlassung in Frankfurt a.M. war nur für den Vertrieb und den Service (Pre- und Postsales) zuständig. Durch die Möglichkeiten, überall die komplette Kommunikation über das Timesharing-System (Telefon plus Akustik-Koppler) zu führen, konnten die Mitarbeiter außerhalb des Bereichs Frankfurt a.M von zu Hause aus arbeiten (Homeoffice) und die Kunden intensiv betreuen.

1981 wurde die MDSI Inc. inklusive aller weltweiten Niederlassungen von Schlumberger Limited übernommen.[3] 1982 übernahm Schlumberger zusätzlich die Applicon Inc. (Burlington, USA), einen damals weltweit führenden Anbieter von CAD-Systemen (Computer Aided Design). Beide Unternehmen MDSI und Applicon wurden im Handelsregister getrennt geführt. Das Management (Geschäftsführung, Technik und Administration) wurde in Deutschland aber personell und organisatorisch zusammengelegt.

1985 wurden MDSI und Applicon unter dem Namen Schlumberger Technologies, CAD/CAM Division, zu einem Unternehmen zusammengeschlossen [4]. Ziel war es, die verschiedenen CAD- und CAM-Applikationen zu einem Produkt zu integrieren. Es wurden weitere Niederlassungen in Hamburg, Düsseldorf, Stuttgart und München gegründet. (München war vorher Sitz der Applicon Deutschland GmbH) Der Produktname der CAD/CAM Software war BRAVO3 (CAD+CAE+CAM). Der Name MDSI wurde von Schlumberger Inc. weder als Produktlabel noch im Handelsregister weitergeführt.

Produkte

Compact II

Die Programmiersprache Compact  II [5]wurde in den USA in den Jahren 1967 -1969 von Chuck Hutchins, Bruce Nourse (beides Mitarbeiter von Comshare (USA)), als "Comshares Program for Automatically Controlling Tools" entwickelt. Am 1. Februar 1969 gründeten sie zusammen mit Kenneth R. Stephanz und Urbanes van Bemden die Manufacturing Data Systems Inc. (MDSI), Ann Arbor, Michigan (USA). Compact II wurde dann weiterentwickelt einschließlich einer Bibliothek für Postprozessoren (PP). Die NC-Programmiersprache war interaktiv aufgebaut, die Postprozessoren waren direkt mit dem Hauptprogramm (Processor) verbunden, deshalb wurde für die Postprozessoren der Name „Link“ gewählt. Compact II wurde am Anfang ausschließlich über Timesharing vertrieben (Tymshare Inc und Comshare Inc). Die Rechner waren das Modell XDS-940 der Firma Xerox Data. Zur Texterstellung wurde der QED (Quick Editor) verwendet. Die Ausgabe erfolgte über einen Lochstreifenstanzer. Ab 1972 wurde Compact II auch auf Inhouse-Midi-Rechner wie Data General (Eclipse) und DEC PDP 11 angeboten. Hauptmitbewerber war für die Inhouse-Lösungen die Programmiersprache EXAPT[6] "EXtended Subset of APT".

Ab 1980 wurde der wirtschaftliche Einsatz der NC Programmierung über das Timesharing-System immer schwieriger, da die Konkurrenz durch Inhouse-Systemes (PC), deutlich zunahm. Zusätzlich zum Kostendruck wurden die neuen NC-Steuerungen (CNC) mit immer mehr Rechnerleistung und internen Programmen (wie CNC-Zyklen)  eingesetzt. Dies ermöglichte die NC-Programmierung und vor allem Änderungen direkt an der NC-Maschine ( WoP, „Werkstatt orientierte Programmierung“). Dies galt insbesondere für geometrisch einfache Dreh-und Bohrteile.

COMDRAW

1973 wurde ein 2-D CAD Programm entwickelt, unter dem Namen COMDRAW, das sich aber wegen der schon eingeführten CAD-Anbieter wie Computervision, Applicon, Intergraph u.a. nicht am Markt durchsetzen konnte.

NC Graphics

Erfolgreicher war die Einführung und Vermarktung 1984 einer graphischen Möglichkeit der NC Programmierung unter dem Namen NC-Graphics, die über eine graphische Eingabe verfügte. NC-Graphics erzeugte einen Compact II Code, sodass der bestehende Compact II Processor mit den Links (PP) weiterhin eingesetzt werden konnte.

Diese Version wurde nach dem Zusammenschluss mit Applicon 1985 weiterhin als selbständiges NC Programmiersystem bis 1999 vertrieben, aber war sie auch die CAM-Schnittstelle zum CAD System der Firma Applicon.

ST-1 (MDSI  150)

Ab 1977 wurde das ST-1 (später MDSI 150) angeboten, ein auf dem Intel 8080 Micro-Processor basierendes NC-Terminal, das zur manuellen (offline) Erstellung und Änderung eines NC Lochstreifens entwickelt wurde.  Die Software dazu war der schon auf den Timesharing Systemen verfügbare QED (Quick Editor)

Einzelnachweise

  1. Moderne Fertigung August 1976, Erfolgreiche Spätstarter?
  2. TZ für Metallbearbeitung, 11/80 MDSI Deutschland erweitert die Geschäftsleitung
  3. http://www.cadhistory.net/07 Applicon.pdf
  4. Computerwoche 30.8.195 Zusammenschluss von MDSI und Applicon
  5. Compact II, Programming Manual, 1975, First Printing 1973
  6. EXAPT Systemtechnik GmbH. Abgerufen am 18. Januar 2021.
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